SUP-Tour Isar: Freising - Moosburg

Unsere Haus- und Lieblingsstrecke: Die Isar zwischen Freising und Moosburg. Lange träumten wir davon sie mit dem SUP zu befahren, ein Mal wagte ich es mit falscher Ausrüstung, danach hielt uns der nötige Respekt vor Fließgewässer und zu wenig Erfahrung davon ab. Welche Vorbereitungen wir getroffen haben, um sicher die Isar mit dem SUP zu fahren, Tipps zum Ein- und Ausstieg und weitere Infos zum Befahren mit Kindern bekommt Ihr in diesem Beitrag.

 

Der erste Versuch

Herbst 2016: die Sonne scheint, heute soll der letzte warme Tag für die nächsten Tage werden, Gewitter ist für die Nacht angesagt. ich will unbedingt noch einmal aufs Wasser bevor der Herbst kommt und an SUP erst einmal nicht mehr zu denken ist. Oliver hat auch gleich ein passendes Kompliment auf Lager: "Dein Hirn ist doch total verSUPt."

 

Tags zuvor habe ich Wasserstand und Ausstiegsstelle in Oberhummel begutachtet. Der Wasserstand ist, wie oft im Sommer nach mehreren heißen Tagen, niedrig, dennoch hält die Isar auch jetzt hier und da einige Stellen parat, an denen es schneller zugeht, die Fließgeschwindigkeit deutlich zulegt. Als Anfänger auf unserem Kids Race Board (unser Allround Board ist zurzeit leider in Reparatur) wollte ich es am Samstag noch nicht wagen.

 

Der verSUPte Kopf am Sonntag aber schon. Also schnappte ich mir das beste verfügbare Board, das SUP-Kids-Board (der Allrounder lag noch zur Reparatur beim Händler), organisierte mir eine Leash und machte mich auf.

 

Fehler Nummer 1: Ich bin alleine gefahren. (-> Im Fließgewässer sollte man immer zu zweit fahren, damit man im Notfall Hilfe organisieren kann.)

Fehler Nummer 2: Ich bin nicht mit dem passenden Equipment gefahren. (-> kein Helm, keine Schwimmweste, kein passendes SUP-Board)

Fehler Nummer 3: Ich hatte meine Leash am Fuß befestigt. (-> im Fließwasser immer OHNE Leash am Fuß fahren, Leash gehört hier an eine Schwimmwetse mit Quick-Release oder an einen Hüftgurt)

Fehler Nummer 4: Ich bin ohne jegliche Erfahrung im Fließgewässer gefahren. (-> mehr dazu weiter unten)

 

Wie Ihr seht, lebe ich noch. Klar jetzt könnte man sagen: "Ist doch nix passiert! Jetzt mach aber mal halblang." Aber: Es ist so absolut nicht zur Nachahmung empfohlen, und damit andere nicht die gleichen Fehler machen, die ich gemacht habe, spreche ich dieses Thema offen an. Ich kann die unbändige Lust aufs Wasser zu wollen absolut nachvollziehen, da setzte in der Vergangenheit dann auch mal rationaler Verstand aus. Grund war Unwissenheit. Wir wollen unseren SUP-Sport sicher und verantwortungsvoll ausüben und vor allem nicht durch unser Verhalten andere gefährden (Wasserretter, andere Boots- oder Kajakfahrer, Spaziergänger, die uns retten würden) oder dafür sorgen, dass Verbote erlassen werden müssen, weil zu viele Menschen die Gefahren nicht richtig einschätzen.

 

Und deshalb nun zur gscheidn Tourplanung und Variante!

 

Vorbereitung

Neben des Wetterchecks und Checks des Wasserstandes informieren wir uns vor jeder Tour über mögliche Hindernisse und Besonderheiten auf der Strecke. Auf der Seite http://www.kanu-info-isar.de/ stellt Christian Löhnert wirklich hilfreiche und meist sehr aktuelle Informationen zur Verfügung. Gerade im renaturierten Bereich ab Oberhummel, aber z.T. auch schon zuvor, befinden sich immer wieder schlecht einsehbare Hindernisse mitten im Fluss. Besonders nach Hochwasser verändert sich der Flusslauf. In den letzten Jahren mussten immer wieder Schlauchbootfahrer, aber auch Kanuten aus dem Wasser durch die Wasserwacht gerettet werden. Übrigens sind die meisten dieser Stellen vom Ufer aus nicht einsehbar, die Isar sieht daher vom Ufer immer herrlich ungefährlich aus. Oder wie ein großer toller Spielplatz. Es handelt sich bei der Strecke zum größten Teil auch um Zahmwasser, zum Teil an wenigen Stellen um WW1. Die beschriebenen Baumhindernisse erfordern allerdings gute Beherrschung des SUP und Vorkenntnisse.

Unsere SUP-Vorkenntnisse für Fließgewässer haben wir uns in diversen professionellen Kursen und mit erfahrenen Paddlern in den vergangenen Jahren erarbeitet.

 

Einstieg in Freising

Los ging es in Freising bei der Luitpoldanlage (bei Kilometer 113): Aufpumpen am Parkplatz direkt an der Isar und Einstieg an der großen Kiesbank sind hier unproblematisch. Meist trifft man auch noch den ein oder anderen Paddler und hat sogar Gesellschaft auf der SUP-Tour.

Unsere SUP-Winter-Ausrüstung
Unsere SUP-Winter-Ausrüstung

 

Freising - Marzling: Einstieg leicht gemacht (ca. 2-3km)

Dieser erste Abschnitt bietet einen schönen Einstieg um sich warm zu fahren. Wenn man die erste seichte Stelle kurz nach dem Einstieg passiert hat, geht's auf Zahmwasser entspannt bis Marzling. Links und rechts Kiesbänke, Enten am Ufer, ab und an ein Radfahrer und Spaziergänger zur Rechten - schon hier Natur pur. Aber auch schon erste sehr flache Stellen, an denen man mit so wenig Bodenkontakt (Fischlaich) wie möglich drüber hinweggleiten sollte. Die Isar hat meist Niedrigwasser, und so sind auf der ganzen SUP-Tour mehrere Stellen zu überwinden. Mit dem richtigen Auge fürs Wasser und kurzen Absprachen untereinander ("Welche Zunge nehmen wir?" ;) ) ist das alles kein Problem und sogar fast ohne eine Berührung möglich. Denkt daran, eine kurze Finne oder Flussfinne ans SUP-Board zu montieren.

 

Diese Strecke sind wir auch schon mit Kind gefahren. Allerdings hatte auch Lotta schon einiges an Vorerfahrung im Fließwasser, und ich kannte durch Touren zuvor die Strecke sehr genau.

 

Marzling - Oberhummel: Zeit zum Gas geben (ca. 8km)

Nach einigen Brücken auf dem ersten Drittel bis Marzling, folgen dann ca. acht Kilometer Isarauenlandschaft, die nur durch die nahe Autobahn und einige bald auf dem Flughafen München landende Flugzeuge gestört wird. Ein paar wildere Stellen kann man gut auch kniend passieren oder umtragen, aber selbst Lotta ist hier gut zurecht gekommen. An der dann kommenden Brücke bei Oberhummel ist der Ausstieg. Hier ist der Ausstieg unter Umständen etwas tricky, weil gerade hier einige malerische Kiesbänke das Flussbett einengen und daher die Strömung stärker ist. Stand April 2020: Rechts halten, unter der Brücke anlanden und aussteigen. Ansonsten ist diese Strecke der für mich nicht so reizvolle Teil und trotzdem natürlich schön, denn auf dem Wasser ist's doch eh immer schön!

 

Oberhummel - Moosburg: Der wilde, renaturierte Teil (ca.8km)

Möchte man noch weitere acht Kilometer fahren und die renaturierte Isar, die hier noch breiter, mit noch mehr Kiesbänken und Totholz, vielleicht auch einem Eisvogel aufwartet, sehen wollen, fährt man nach Oberhummel bis Moosburg weiter.

Jetzt wird's richtig spannend und schön: Das Ufer bricht zum Teil schroff ab, angestautes Totholz mitten in der Isar, eine völlig veränderte natürliche Flusslandschaft zeigt sich hier. Obwohl es hier natürlich wunderschön zum Rast machen wäre, verzichten wir darauf, mit den SUPs anzulanden. Naturschutz geht für uns an dieser Stelle eindeutig vor und gerne lassen wir den Tieren den neugewonnen Lebensraum. So ein Eisvogel wäre sonst auch nicht anzutreffen. Hier wird's auch technisch etwas anspruchsvoller, denn das Totholz will gekonnt umfahren, der Flusslauf und die beste Stelle zum Durchqueren vorab "gelesen" werden. Hier haben absolute Anfänger und unserer Meinung nach auch Schlauchbootfahrer nix mehr verloren. Dünnwandige und in der Strömung nicht manövrierbare Schlauchboote landen schnurstraks durch die stellenweise starke Strömung im Totholz und geben dort aufgespießt den Geist auf. Für alle Erfahrenen wird es in diesem Flussabschnitt aber erst so richtig interessant.

Ca. bei Kilometer 99 befindet sich mitten in der Isar ein querliegender Baum, der nicht umfahren werden kann. Die Stelle ist, im Gegensatz zum letzten Jahr, gut einsehbar und kann problemlos umtragen werden (Stand Februar 2020). HIndernisse können, gerade hier im renaturierten Teil, jederzeit entstehen. Vorab unbedingt über mögliche Gefahren informieren.

Ausstieg

In Moosburg kann man sich zwischen zwei Ausstiegen entscheiden.

Entweder steigt man auf Höhe des Flugplatzes aus (ca. Kilometer 96, durch Schild gekennzeichnet) und läuft dann ca. 200m zum Parkplatz am Flugplatz. Oder aber, man fährt bis zur neuen Isarbrücke, die man nun Dank Fertigstellung der Brücke 2019 wieder passieren darf. Direkt an der Brücke kann auch gut geparkt werden, um dann im Moosburger Wochenblatt den Abend bei einem leckeren Zwiebelrostbraten ausklingen zu lassen. Wer es naturnaher mag, fährt am besten in einen der schönsten bayerischen Biergärten, die "Schlossallee", nach Haag an der Amper.

 

Material

Jetzt möchten wir Euch noch einen Einblick in unser Equipment geben und warum wir es wie gewählt haben.

 

Board:

Die Strecke fahren wir mit SUP-Touring Boards, da doch immer wieder auch längere Passagen zu überwinden sind. Für die wilderen Stellen bieten sie aber dennoch genug Breite, um nicht gleich im Wasser zu liegen.

 

Leash:

Eine Leash nutzen wir nur, wenn wir sie an einer Schwimmweste mit Quick-Release oder an einem Hüftgurt befestigen können. Deshalb trägt Lotta auf den Bildern keine Leash, wir aber schon an Schwimmweste oder Hüfte. Niemals solltet Ihr eine Leash am Fuß befestigen, wenn Ihr auf dieser Strecke unterwegs seid. Bleibt man in Ästen, Bäumen etc. hängen, hat man durch den enormen Wasserdruck, der sich hier bildet, keine Chance diese zu lösen.

 

Schwimmweste/ Helm:

Fließgewässer erfordert Schwimmweste. Da gibt's keine Diskussion. Einen Helm tragen wir, damit der Kopf im Falle eines Sturzes mit Steinkontakt auch geschützt ist. Es sind zwar nur wenige Stellen, die dieses Potential bieten, dennoch gehen wir, gerade mit Kind auf Nummer sicher.

 

Kleidung

Je nach Wasseremperatur wählen wir Neo, Long John oder Long Jane oder einen Trockenanzug. Neoprenschuhe sind obligatorisch bei jeder Temperatur, um einen guten Grip auf den rutschigen Isarkieseln zu haben. Wahlweise ziehen wir Neosocken oder wasserdichte Socken darunter. Bei Minusgraden weichen wir auf normale Trekkingschuhe mit wasserdichten Socken und Wollsocken aus.

 

TIPP für alle Schlauchbootfahrer:

Familienausflug auf der Isar mit dem Schlauchboot? Super Idee — mit dem richtigen Material.

Wie eingangs beschrieben, wurden schon häufiger auch Schlauchbootfahrer aus den genannten Gründen aus der Isar gerettet. Klar, so eine Tour im Hochsommer mit Kind und Kegel scheint reizvoll und ist es auch. Bedenkt in jedem Fall, dass Ihr Eure Kinder mit Schwimmwesten ausstattet. Nein, Schwimmflügelchen tun es nicht. Und auch wenn das Kind das Seepferdchen hat, wird dies nichts in einem Notfall helfen können. Uns ist bewusst, dass den meisten nichts passiert, dass man auch einfach mal nur Spaß haben, die Seele baumeln lassen will. Auf dem Wasser sollte man sich jedoch, genau wie in den Bergen, besonnen und mit den nötigen Kenntnissen bewegen. Die Konsequenzen wären einfach zu groß, wenn Ihr mit dem Schlauchboot, Kanu oder SUP im Baum hängt und durch den Wasserdruck nicht mehr vom Fleck kommt. Alles schon selbst gesehen! Wir wollen nicht mit erhobenem Zeigefinger dastehen, jeder entscheidet für sich allein was gut für ihn und seine Familie ist. Mit dem nötigen Hintergrundwissen fällt dies aber leichter und darum teilen wir unsere Erfahrungen mit Euch.

Wenn das Equipment also nicht passt, bleibt an Land! Oder meldet Euch, wir helfen auch mal mit einer Schwimmweste aus bevor Ihr ohne loszieht. ;)

 

Und wenn alles passt, dann wünschen wir Euch viel Spaß beim Paddeln und freuen uns auf Eure Berichte hier!

 

Corona-Hinweis

Wassersport darf, solange man sich an die übrigen Ausgangsbeschränkungen hält und ihn wohnortnah ausübt, weiterhin betrieben werden. Dies gilt auch für SUP. Allerdings verweisen Wasserwacht und DLRG darauf in diesen Zeiten bitte nicht aufs Wasser zu gehen, damit Rettungskräfte im Falle einer Rettung nicht übermäßig beansprucht werden müssen. Die Rettungskräfte sind derzeit durch die Corona-Pandemie besonders gefordert. Christian Löhnert schreibt dazu: "Die eigenen Fähigkeiten der Kanuten müssen deutlich über den Anforderungend es Gewässer liegen, um eine Inanspruchnahme der Wasserwacht ausschließen zu können." (www.kanu-info-isar.de, Christian Löhnert, 02.05.2020).